- Aktualisiert am: 29. Januar 2026
- Geschrieben von: Nicole Becker
- Lesezeit: 4 Minuten
Viele Portale nutzen für Auszahlungen neutrale Absendernamen. Wer bei OnlyFans, MyFreeCams oder über große Independent-Plattformen arbeitet, sieht auf dem Kontoauszug oft Namen wie Fenix International, Segpay, Epoch oder CCBill. Ein direkter Bezug zur Erotikbranche ist für Bankmitarbeiter bei einer einfachen Sichtprüfung somit kaum feststellbar. Die Annahme, dass das private Girokonto deshalb dauerhaft sicher ist, greift jedoch zu kurz.
Banken setzen im Jahr 2026 flächendeckend automatisierte Monitoringsysteme ein. Diese Algorithmen prüfen Zahlungsströme auf Muster, die nicht zu einem privaten Nutzerverhalten passen. Regelmäßige Geldeingänge von ausländischen Zahlungsabwicklern lösen ab bestimmten Summen automatisierte Prüfprozesse aus. Im Rahmen des Geldwäschegesetzes (GwG) ist die Bank dann verpflichtet, einen sogenannten Mittelherkunftsnachweis einzufordern.
Ein solches Monitoring reagiert besonders sensibel auf Geldeingänge in Fremdwährungen (z.B. US-Dollar) oder Überweisungen, die über Korrespondenzbanken im Ausland geleitet werden. Da viele Erotik-Plattformen ihren Sitz außerhalb der EU haben, werden diese Zahlungen automatisch als "erhöhtes Risiko" eingestuft. Sobald die Summe deiner monatlichen Eingänge die üblichen Gehaltszahlungen eines Durchschnittsverbrauchers übersteigt, greift die Compliance-Abteilung ein – unabhängig davon, wie diskret der Absendername formuliert ist.
Konsequenzen bei Nachweispflicht
Wird die Bank auf die Zahlungen aufmerksam, musst du die entsprechenden Verträge und Abrechnungen der Portale vorlegen. Sobald hieraus ersichtlich wird, dass das Konto gewerblich genutzt wird, verweist die Bank auf ihre AGB. Fast alle klassischen Filialbanken untersagen die geschäftliche Nutzung von Privatkonten strikt. Die Folge ist in der Regel eine fristlose Kündigung der Geschäftsbeziehung wegen Vertragsbruchs.
Eine solche Kündigung hat weitreichende Folgen: Oft bleiben Lastschriften für Miete oder Versicherungen unbezahlt, was zu negativen Einträgen führen kann. Zudem ist es nach einer Kontokündigung durch die Bank deutlich schwieriger, bei einem anderen Institut ein neues Konto zu eröffnen, da Banken im Rahmen der KYC-Prüfung (Know Your Customer) oft nach dem Grund für das Ende der letzten Bankverbindung fragen. Ein offizielles Geschäftskonto schützt dich vor diesem Domino-Effekt, da die Bank von vornherein über die gewerbliche Natur deiner Einkünfte informiert ist.
Betriebsausgaben rechtssicher dokumentieren
Ein dediziertes Geschäftskonto ist die Voraussetzung für eine saubere Einnahmen-Überschuss-Rechnung (EÜR). Nur durch eine strikte Trennung lassen sich alle absetzbaren Kosten lückenlos beim Finanzamt geltend machen, ohne private Buchungen offenlegen zu müssen. Dies ist besonders wichtig, um bei einer etwaigen Prüfung die private Lebensführung vom geschäftlichen Erfolg abzugrenzen.
Detaillierte Beispiele für absetzbare Kosten:
Liquiditätsmanagement und Steuerrücklagen
Ein häufiger Fehler in der Selbstständigkeit ist die Vermischung von Umsatz und verfügbarem Einkommen. Ein Geschäftskonto ermöglicht die Bildung von Rücklagen direkt an der Quelle. Ohne diese Trennung riskierst du, im Falle einer Steuernachzahlung zahlungsunfähig zu werden, da die Ausgaben für das Privatleben oft unbewusst steigen, wenn das Konto einen hohen Kontostand aufweist.
Gesetzliche Meldepflichten (DAC 7) und Prüfungen
Aufgrund der DAC 7-Richtlinie melden Plattformbetreiber die erwirtschafteten Umsätze automatisch an das Bundeszentralamt für Steuern. Die Finanzbehörden verfügen somit bereits über die Daten zu deinen Einnahmen, noch bevor du deine Steuererklärung abgibst. Ein separates Geschäftskonto dient hier als wichtigster Beleg für deine Professionalität und Ordnungsmäßigkeit.
Im Falle einer Betriebsprüfung durch das Finanzamt bist du verpflichtet, Einblick in deine geschäftlichen Unterlagen zu gewähren. Nutzt du ein gemischtes Konto, erhält der Prüfer automatisch Einblick in alle privaten Transaktionen – von Arztrechnungen über Unterhaltszahlungen bis hin zu privaten Konsumgewohnheiten. Durch ein Geschäftskonto ziehst du eine klare Grenze: Du reichst lediglich die Auszüge des Business-Kontos ein und schützt so deine Privatsphäre effektiv vor staatlicher Einsichtnahme.